Aktuelles (04.11.2021):
Der Klimawandel ist die Herausforderung unserer Zeit und vor allem der Wasserwirtschaft


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Der aktuelle ReKliEs-De Ergebnisbericht (Regionale Klimaprojektionen Ensemble für Deutschland) untermauert bestehende Prognosen zu den Auswirkungen des Klimawandels in Deutschland, welche ebenfalls im 5. Sachstandsbericht des Weltklimarates (IPCC) erschienen sind.

Im Laufe des 21. Jahrhunderts wird es im Jahresmittel wärmer und trockener, im Sommer werden die Hitzeperioden zunehmen und die Kälteperioden nehmen ab. Aufgrund der wärmeren Winter nehmen die Niederschläge in dieser Jahreszeit zu. Die regionalen Unterschiede sind groß. Grundsätzlich steigt die Wahrscheinlichkeit von Extremereignissen.

Für die Wasserwirtschaft bedeutet dies eine Verschärfung und Häufung bereits existierender und bekannter Phänomene und Probleme: Mehr Starkregen, längere Hitze- und Trockenperioden, vermehrte Hochwasserereignisse, neue Niederschlagsmuster, veränderte Grundwasserneubildung.

So kann die für die Wasserversorgung nutzbare Wassermenge in Seen und Talsperren abnehmen. Saisonal kann die Wasserverfügbarkeit zurückgehen bzw. durch Starkregenereignisse zu Hochwasser führen, was auch eine Erhöhung der Nähr- und Schadstoffkonzentrationen in Gewässern zur Folge haben kann.

Steigende Temperaturen haben auf die Wasserqualität von Oberflächengewässern unterschiedliche Auswirkungen. In Talsperren und Seen verändern sich die thermischen Schichtungsmuster der Wasserkörper. Je niedriger der Nährstoffgehalt (die Trophie) der Gewässer ist, umso geringer sind sich daraus ergebende Qualitätsbeeinträchtigungen wie Sauerstoffzehrung oder die Entwicklung von Cyanobakterien („Blaualgen“). Zusätzlich nimmt die Konkurrenz mit anderen Nutzenden um die Wasserressourcen zu. Häufigere und länger andauernde Trockenperioden und Hitzewellen können zu einem höheren Spitzenbedarf führen.

Lokale Starkregenereignisse und Hochwässer können die Ver- und Entsorgungsinfrastruktur in Einzelfällen bis hin zum Ausfall beeinträchtigen. Zunehmende Hitze und Starkregenereignisse in den urbanen Räumen erfordern ein verbessertes lokales Wassermanagement. Auf diese und weitere Herausforderungen erarbeitet die Wasserwirtschaft z. B. durch die Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Wasser („Auswirkungen des Klimawandels auf die Wasserwirtschaft“ 2017) länderübergreifende und gemeinschaftliche wasserwirtschaftliche und wasserrechtliche Lösungen.

Anpassungsbedarf und Handlungsmöglichkeiten ergeben sich immer aus den jeweiligen naturräumlichen Bedingungen, der technischen Struktur eines Ver- bzw. Entsorgungssystems, den Wechselwirkungen mit anderen Faktoren wie Bevölkerungs- und Wirtschaftsentwicklung, industrieller und landwirtschaftlicher Wassernutzung.

Im Umgang mit Wetterextremen wie Dürre, Starkregen und Hochwasser (z. B. Trockenjahr 1976, Extremsommer 2003 und 2018, Elbe-Hochwasser 2002 und 2013, Starkregenereignisse 2017) haben die Trinkwasserversorger und Abwasserentsorger gezeigt, dass sie langanhaltende und flächendeckend Ausfälle vermeiden können.

Im Extremsommer 2018 haben eine Reihe von Versorgern ihre Kundinnen und Kunden dennoch zum Wassersparen angehalten. Für die Versorgungssysteme war vor allem die ungewöhnlich langanhaltende Trockenheit ein regelrechter Stresstest, den die Unternehmen ohne größere Ausfälle bestanden haben. Wenn bei Hitze und anhaltender Trockenheit viele Menschen ungewöhnlich viel Wasser entnehmen, kann beispielsweise der Druck im Transportsystem sinken. Das passiert vor allem dann, wenn der Wassergebrauch schlagartig ansteigt, beispielsweise abends, wenn viele Gärten oder Rasenflächen zeitgleich bewässert werden.

Vereinzelt haben Versorger deshalb Anordnungen zum Verbot von z. B. dem Rasensprengen ausgegeben oder der Druck wurde leicht gesenkt, um Spitzenabnahmen zu mindern. Und dennoch: Die Wasserversorgung konnte ohne größere Einschränkungen aufrechterhalten werden. Das Jahr 2018 hat aber gezeigt, dass Strategien zur Anpassung der wasserwirtschaftlichen Infrastruktur erforderlich sind.


Die vorangegangenen Ausführungen zu den Auswirkungen des Klimawandels, die dem Branchenbild der Wasserversorgung entnommen sind, können insbesondere durch die Juragruppe, auch im Bereich von oberflächennahen Quellschüttungen, die als Wasserbezug für Wasserversorgungsanlagen dienen, so bestätigt werden.

Die Juragruppe betrieb bis 2017, neben der Hauptversorgungsanlage mit den drei leistungsfähigen Tiefbrunnen aus dem Karstgrundwasser, mit denen ca. 95 % des Versorgungsauftrages abgedeckt werden, noch drei kleine Eigenversorgungsanlagen, deren Wasserbezug aus oberflächennahen Quellschüttungen erfolgten. Diese erwiesen sich unter den klimatischen Veränderungen als sehr problematisch.

Unsere Versorgung aus den Karstgrundwasserleitern können als absolut versorgungssicher, gerade auch unter Klimaveränderungspotentialen, bezeichnet werden. Unsere beiden Karstgrundwasservorkommen Veldensteiner und Hollfelder Mulde bilden das größte Trinkwasservorkommen Nordbayerns.

Die von Fachleuten ermittelte durchschnittliche Grundwasserneubildungsrate pro Jahr beträgt zusammen ca. 70 Mio. m³ jährlich. Der zusätzlich in den unterirdischen Hohlräumen des Jurakarstes eingelagerte volumengroße Trinkwasserstock hat ein kaum vorstellbares Ausmaß. Allein in der Veldensteiner Mulde gehen die Schätzungen der Wasserwirtschaftsverwaltung von einem möglichen Grundwasserstock von unvorstellbaren 1,9 Milliarden m³ aus.

Dieses gigantische Trinkwasservorkommen ist für ein Mehrfaches des bisherigen Versorgungsvolumens ausreichend. Dieses Grundwasservolumen steht bei unserem Tiefbrunnen Bronn von ca. 28 Meter bis 240 Meter ab Geländeoberkante nach unten an, beim Brunnen Moggendorf von ca. 19 Meter bis 160 Meter und beim Brunnen Scherleithen von ca. 15 Meter bis 130 Meter. Da wir beim Bau des Brunnens Moggendorf im nicht ausgebautem Bohrloch eine Befahrung mit einer Kamera bis auf besagte 160 Meter durchgeführt haben, wurde uns das beinahe unvorstellbare Wasservorkommen in den Hohlsystemen erahnbar und sichtbar.

Unsere Grundwasserstände sind über 20 Jahre nahezu unverändert geblieben, d. h. der Grundwasserstand hat sich nur geringfügig abgesenkt. Die Entwicklung der Grundwasserstände können aus den nachfolgenden Schaubildern abgelesen werden. Beim Brunnenstandort Moggendorf kann die Entwicklung nur ab 2012 dargestellt werden, da dieser Brunnen neu niedergebracht wurde.

Gerade der Karst als Grundwasserleiter, wird unter den klimatischen Vorzeichen – heftige kurzzeitige Niederschlagsszenarien und lange Trockenperioden – über seine Klüfte mit seinen Spalten, Dolinen und Ponoren, das Niederschlagswasser seinem Grundwasserstock umfänglich zuführen, während bei andern Grundwasserleitern nicht unerhebliche Teile der Niederschlagsmenge, u. a. wegen deutlich höherer Deckschichten, über die Flüsse abfließen. Deshalb ist unser Karstgrundwasserleiter mit der Ergiebigste, der Schutzwürdigste aber auch der Schutzbedürftigste.




Die oberflächennahen Quellen, die für die Trinkwasserversorgung mitverwendet wurden, sind wegen der Niederschlagsszenarien, insbesondere in den letzten Jahren, in ihrer Schüttung stark rückläufig gewesen.

In sogenannten kleinen Insellösungen betrieb die Juragruppe bis 2017 die vormalige Wasserversorgungseinrichtung Zips und bis 2019 die vormalige Wasserversorgungseinrichtung Leups.

In den vergangenen Jahren waren jedoch die Quellschüttungen dieser beiden Versorgungsanlagen kontinuierlich und besorgniserregend zurückgegangen. Da wir nach Eigenüberwachungsverordnung verpflichtet sind, die Quellschüttung ständig zu messen und die Messwerte auch dem Wasserwirtschaftsamt zu melden, war es möglich über den Rückgang der Quellschüttung eine verlässliche langzeitliche Entwicklungsaussage zu tätigen. Diese kann aus den beigefügten Schaubildern entnommen werden.



Das Mengendargebot war für den Bedarf dieser kleinen Versorgungsgebiete nicht mehr ausreichend. Teilweise musste notversorgt werden. Dank der Fördermöglichkeiten der RzWas 2018 konnten durch den Bau von Zubringerleitungen beide Versorgungsbereiche an das Zentralnetz versorgungs- und zukunftssicher angeschlossen werden.

Deshalb versuchen wir zu beherzigen, was Titus Maccius Platus ca. 500 Jahre vor Christus schon erkannte:


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